Wer hat noch nie mit diesem Satz geantwortet? Klar, keiner wirft den ersten Stein. Sich auf die Vergangenheit zu beziehen, ist eben auch eine einfache Ausrede für die Versäumnisse von heute.

Erst letztens hatte ich eine Diskussion über patriarchale Gesellschaftsstrukturen. Mein Gegenüber meinte, es gibt genügend Gründe, wieso unser Zusammenleben so aufgebaut ist, wie es eben ist. So stehe ein tieferer Sinn hinter der geringeren Entlohnung vieler Frauen. Und es kommt auch eben nicht irgendwoher, dass Frauen hin und wieder sehr ungeschickte Anmachen über sich ergehen lassen müssen. Mein Gegenüber hat recht! Hat er wirklich?

Ein Blick in die Geschichte

Der Mann als Oberhaupt

Mein Gesprächspartner kam sehr schnell auf die Evolution zu sprechen. Die Frau war für das Überleben des Nachwuchses essentiell, musste sie sich doch um dessen Wohlbefinden kümmern. Der Mann hatte für das Erfüllen primärer Bedürfnisse zu sorgen: der Hunger musste gestillt werden. Eine Art Abhängigkeit entstand. Ohne den Mann gab es kein Überleben. Und das, obwohl die Frau für den Erhalt einer Gesellschaft eigentlich von größerer Bedeutung war und ist: ein Mann und viele Frauen können auch das zukünftige Zusammenleben garantieren; viele Männer und eine Frau hätten die Menschheit wahrscheinlich ins Nichts geführt.

Der Mann als Jäger

Natürlich ist es auch evolutionär bedingt, dass der Mann ein Jäger ist. Er möchte sich vermehren. Er möchte den Genpol sicherstellen. Er war aktiv auf der Suche nach dem anderen Geschlecht. Und auch heute hat sich das größtenteils noch nicht geändert. Er muss in Beziehungen oft den ersten Schritt gehen – vom Ansprechen und Daten über das „Ich liebe dich“-Sagen bis hin zum Heiratsantrag. Es liegt an ihm. Viele Frauen geben die Zügel ab.

„Das haben wir schon immer so gemacht!“

Und die Ausrede für die heutige Struktur der Geschlechter ist stets „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Es stimmt, es gab einen Grund, weswegen der Mann das Familienoberhaupt und auch, warum er ständig auf der Pirsch nach Frauen war. Doch der Mensch ist ein rational denkendes Wesen, das sich weiterentwickelt. Hallo, schon einmal über das Wort „Evolution“ nachgedacht?

Heute ist vieles anders. Wir leben im 21. Jahrhundert und Männer und Frauen sind in der Lage, sich in allen Lebensbereichen auf Augenhöhe zu begegnen. Der Mann kann sich genauso um die Kinder kümmern, wie es eine Frau tun kann und auch die Frau kann genauso für den Lebensunterhalt sorgen, wie es der Mann tun kann. Und bitte Mädels, den Feminismus in Sachen Dating auf Eis zu legen und mit Traditionsbewusstsein zu begründen ist unfair. Wir wollen gleichberechtigt sein, so können auch wir Männer proaktiv ansprechen und uns vielleicht sogar mit einem Ring hinknien.

 

Kurz und knapp

Wir leben in einer sich schnell entwickelnden Welt. Jeden Tag sind wir mit Innovationen konfrontiert – beispielsweise im Technik- oder aber auch im Gesundheitsbereich. Da könnte einem glatt schwindlig werden. Logischerweise hat sich auch das gemeinsame Zusammenleben verändert. Was früher wichtig war, ist heute vielleicht überhaupt nicht mehr der Rede wert. Und so hat auch die geschlechtliche Gleichberechtigung in allen Bereichen Platz und ihre Berechtigung.

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ – höchste Zeit diesen Satz in die Vergangenheit zu verbannen.