Ein Brief an die Frau, die ich einmal war

Ein Brief an die Frau, die ich einmal war

Ein Brief an die Frau, die ich einmal war

Als die Sonnenstrahlen meine Wangen kitzelten und ich so in der Frühlingsbrise stand, machte ich mir Gedanken. Über die Frau, die ich bin und über die Frau, die ich einmal war – und alles, was ich ihr gerne sagen würde.

Zum heutigen Weltfrauentag gibt es einen etwas anderen Beitrag. Feminismus und Bildung über Frauenthemen sind mir natürlich immer noch ein Anliegen, jedoch gibt es ein Thema, dass so unaufhaltsam gegen meine Schädeldecke klopft, sich bemerkbar macht und verlangt gehört zu werden, wie ein Steinchen, das gegen die Fußsohle drückt. Denn heutzutage führen wir Frauen zusätzlich zu all jenen Fronten, an denen sich Veränderung nur langsam bemerkbar macht, den wohl größten Kampf im Stillen durch – den Kampf gegen uns selbst. Gegen Unsicherheiten, Gedanken-Strudel und festgefahrene Denkmuster. Gegen all die Dinge, die uns von Klein auf eingetrichtert werden. Und sogar gegen unser eigenes Selbst. Auch Márcia hat ihrem 15-jährigen Ich einen Brief geschrieben – heute spreche ich all das aus, was ich mir selbst gerne sagen möchte.

Ich habe mir Gedanken gemacht, über die Frau die ich bin und über die Frau, die ich einmal war – und alles, was ich ihr gerne sagen würde. Und vielleicht – nur vielleicht – liest diesen Beitrag hier eine Frau, die sich in den Höhen und Tiefen meines brausenden Werdegangs wieder erkennt und den gleichen Sturm mit sich herumschleppt. Und vielleicht können folgende Worte die Wogen ein wenig glätten.

Liebe Alina,

ich weiß noch, wie es sich anfühlt Du zu sein. Frei und doch eingeschränkt, sorgenlos und doch schwer von den Gedanken über die Zukunft und das Jetzt. Es gibt viele Dinge, die ich Dir an dieser Stelle gerne sagen möchte, viele Lebensweisheiten, die ich über die Jahre angesammelt habe. Doch allen voran ist die wohl wichtigste Erkenntnis, die Du irgendwann am Weg erkennen wirst, diese hier: Du bist genug. Und lass Dir von niemandem einreden, dass dem nicht so ist.

Du musst weder deinen Eltern, deiner Familie, noch deinen KlassenkameradInnen, Bekannten und FreundInnen etwas beweisen – und wenn Du das Gefühl hast, Letzteren nicht genug zu sein, sind diese Freundschaften sowieso nicht für die Ewigkeit geschaffen. Konzentriere Dich auf die Verbindungen, die dir Mut und Zuspruch geben, Dich aber doch auf dem Boden der Tatsachen behalten – und lass die Personen los, die Dir Kraft kosten und denen Du nie genug sein wirst. Nimm ihnen ihre Fehler jedoch nicht übel – sie haben ihre eigenen Kämpfe mit sich auszutragen. Uns Frauen wird schon früh vermittelt, dass wir miteinander in Konkurrenz stehen müssen, gefallen müssen und eigentlich nicht Freundinnen, sondern Rivalinnen sind. Hör nicht auf die Stimmen, die Dir diesen Schwachsinn eintrichtern wollen und begegne auch denen, die Dir Unrecht getan haben, mit Verständnis (auch wenn es Dir im ersten Moment widersinnig erscheint).

Du kannst aus eigener Kraft heraus Großes schaffen und Deinen eigenen Weg durch den Wald an Meinungen und gut gemeinten Ratschlägen schlagen. Richte den Blick auf Frauen, die Dich inspirieren und die Dir zeigen, wozu du fähig bist. Die Dir zeigen, dass in dieser Welt Türen nur so lange zu sind, bis jemand den Schlüssel entdeckt (oder diese einfach eintritt). Glaube nicht an gläserne Decken und Hürden, die man dir in den Weg legen möchte, sondern fordere ein, was Dir zusteht. Und höre ab und zu ein bisschen weniger auf Deine Mutter. 😉

Du bist genug. Dein Körper ist genug. Dein Charakter ist genug. Beides wird sich über die Jahre verändern und das ist auch gut so. Kämpfe weniger gegen Dich und versuche, nicht nur anderen Kraft zu spenden, sondern kümmere Dich auch um Dich selbst und deine eigenen Bedürfnisse. Stecke nicht zu viel zurück, um es anderen Recht zu machen – dabei kommst Du selbst oft zu kurz.

Und auch wenn du Dir denkst, niemals jemanden zu finden, der Dich ganz und vollkommen liebt, so wie Du bist, verdienst Du genau das – eine Liebe ohne Erwartungsdruck, dafür mit Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt. Und, Spoiler Alert: diesen Part bekommst du ganz alleine gut hin!

Liebe Alina – mach Dich nicht kleiner als du bist. Wenn Du laut bist – sei laut! Wenn Du wild bist – sei wild! Ohne Dich für Dich selbst zu rechtfertigen oder Dir Sorgen zu machen, was andere von Dir denken könnten. Fordere ein, was Dir zusteht und vergiss nie: Du bist genug.

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7 Comments

  • Nina
    3 Monaten ago

    Ein sehr sehr schöner Beitrag! Und genau deshalb gehörst du auch zu den Frauen, die mich inspirieren. 🙂

    • Alina
      3 Monaten ago

      Liebe Nina,

      danke für deine lieben Worte – ich freu mich sehr, dass dir mein Brief gefallen hat 🙂

      Deine Unterstützung bedeutet mir viel!

      xxx

  • 3 Monaten ago

    So ein toller Beitrag! Ich finde das wirklich immer super spannend, was man seinem 16-Jährigen ich jetzt mit auf dem Weg geben würde und was man alles für Erkenntnisse gewonnen hat.

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Melina @Linas__life

  • 3 Monaten ago

    Hallo liebe Alina,
    hach so ein wunderschöner Beitrag! Ich bin ganz gerührt. In vielen Punkten erkenne ich mich selbst. Ich dachte früher immer, dass etwas an mir falsch ist und ich immer allen anderen gefallen muss – das stimmt einfach nicht. Man muss lernen sein eigenes Ding durchzuziehen. Dann ist man auch gut und fühlt sich gut.
    Das zu erkennen dauert und ich bin froh, dass ich mich in dieser Hinsicht verändert habe.
    Sehr schön geschrieben Alina 🙂
    Liebe Grüße
    Julia

  • Kaapkerk
    3 Monaten ago

    Dankeschön tolles Video

  • kiki
    3 Monaten ago

    da trifft hier wohl alles ins schwarze. jedes wort, jede phrase.

  • Gloria
    3 Monaten ago

    Einfach toll auf den Punkt gebracht! Danke für deinen Text, berührt mich sehr. Alles Liebe Gloria