Mutter und Tochter haben eine ganz besondere Beziehung, die vor allem in der Teenager-Zeit gehörig auf die Probe gestellt wird. Werden wir heute doch nur genau so, wie unsere Mütter? Findet es heraus:

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Vor einigen Wochen waren wir ladies gemeinsam im Kino. Der Film, der es schaffte uns trotz größtem Trubel alle drei in den dunklen Saal des Kinos zu locken? Das hochgepriesene Regiedebüt von Greta Gerwig – „Lady Bird“. Wir wollten uns selbst ein Bild machen und gingen fast ohne Vorinformationen in die Vorstellung – und kamen schwer beeindruckt, zufrieden, verständnisvoll und berührt wieder aus dem Saal heraus.

Das Thema? Eine echte, authentische Coming-of-Age Story über das Erwachsenwerden verpackt in eine wunderschöne Geschichte über Mutter-Tochter in den wohl heikelsten Jahren. 

Wir haben uns danach selbst Gedanken gemacht, welche Anekdoten wir zu erzählen haben und welche Momente unsere Beziehungen zu unseren Müttern geprägt haben.

Lady Bird

Christine nennt sich selbst ‚Lady Bird‘ und zeigt somit jedem gleich vorweg, dass sie anders ist. Anders, als man es in Sacramento gewohnt ist. Anders, als man Mädchen auf der katholischen Privatschule gerne haben möchte. Und sogar anders in einer bunten Theatertruppe. Sie möchte vor allem eins: ausbrechen. Aus der Stadt, die für sie keine Kultur inne hat und aus ihren Umständen, die bescheiden und immer ein Kampf sind. Dazu mixt sich ein Cocktail aus Teenager-Gefühlen, Hormonen, der ersten Liebe und eine manchmal liebevolle, manchmal verzwickte Mutter-Tochter-Beziehung. Prädikat: auf jeden Fall sehenswert.

Nina

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, ist meine Mami eine große Kümmern, liebevolle Klucke könnte man sie auch nennen. Sie sorgt sich immer um ihre Lieben und vergisst dabei auch ein bisschen auf sich selbst. Diese Eigenschaft kann strapazierend sein, ganz besonders aber, wenn man eine pubertierende Tochter zu Hause hat.

Früher hätte ich mich als unkomplizierten Teenager beschrieben. Mein Bruder war eher derjenige, der charakterauffälliger war. Ich war meist die brave, ehrgeizige Schülerin, die kein Sorgen bereitete. Retrospektiv betrachtet stimmt das leider nicht so ganz, denn als Burschen interessant zu sein begannen, begann ich richtig unfair und anstrengend zu werden.

Ich hatte zwar immer meinen eigene Kopf, doch plötzlich schien er ganz anders zu denken, als der meiner Mutter. Häusliche Regeln waren für mich nicht mehr wirksam – spät oder mehrere Tage gar nicht nach Hause zu kommen gehörte zum Alltag. Wurde mein Verhalten kritisiert, zeigte ich meiner Mutter auf, dass ich auch gar nicht mehr auftauchen müsste.

Heutzutage findet mein empathiegeladenes Ich diese Vorgehensweise grausam, denn meine Mutter muss nicht mehr weitergewusst haben. Was macht man mit so einem Kind? Schrecklich! Doch wahrscheinlich war das genau dieser Abnabelungsprozess, von dem immer all sprechen. Dafür sind doch die Teenager-Jahre da, oder? Dafür, sich auszuprobieren, Grenzen auszutesten und die Freiheiten des Erwachsen-Werdens zu genießen. Dennoch möchte ich eines sagen: danke Mami (natürlich auch Papi), dass du diese Zeit so bravurös durchgestanden und mir nie Zweifel an deiner Liebe mir gegenüber gegeben hast. Liebe bis in die Unendlichkeit! <3

Alina

Es gibt eine Zeit, da will man genau sein, wie die eigene Mutter. Dicht darauf gefolgt kommt der komplette Umkehrschwung – so werden wie meine Mutter? Nein, danke! Die Teenager Jahre sind für mich vor allem eine innere Herausforderung gewesen – wie weit kann ich gehen, wie frech kann ich sein und wie weit meine Grenzen austesten? Als einziges Einzelkind bei uns ladies habe ich noch eine ganz besondere Erfahrung gemacht, denn vor mir hat kein Geschwisterchen bereits Grenzen ausgelotet und als behütetes (andere würden meinen verwöhntes :P) Einzelkind gingen mir die strengeren Regeln besonders gegen den Strich.

Vor allem die Beziehung zu meiner Mama wurde dabei gehörig auf den Prüfstand gestellt. Ich sehe jetzt, retrospektiv, dass ich – entgegen meiner eignen Meinung – doch sehr hormonell geleitet war. Alles war ein Drama, ein Fiasko und das Ende der Welt. Und am allerwenigsten versteht das die eigene Mutter – redet man sich ein. Dass sie all das (und mehr) selbst bereits erlebt hat und vielleicht doch den ein oder anderen guten Rat für einen parat hat, sieht man als Teenager leider nicht.

Heute weiß ich, dass meine Mama mit allem, was sie tut nur mein bestes im Sinne hat und bin dafür sehr, sehr dankbar. Ich kann mich immer auf sie verlassen, es gibt keinen Tag an dem wir nicht telefonieren und ich genieße die Zeit, die ich mit ihr oft in Mittagspausen oder zwischen Terminen finde sehr. Aber auch die Zeit als Teenager war notwendig, um mich ein wenig abzunabeln und eine eigene Persönlichkeit zu werden. Ich werde wohl immer viel ‚Alina‘ und ein bisschen ‚meine Mutter‘ sein. Und das ist schon gut so <3

Márcia

Die Beziehung zu meiner Mutter kann ich nur schwer in Worte fassen. Zum einen ist sie meine ganze Welt. Sie ist Mama, Papa und beste Freundin. Sie ist Helferin in der Not und Freundin, mit der man Pferde stehlen kann. Heute ist meine Mama meine ganze Welt. Doch das war nicht immer so.

Wir hatten zwar schon immer ein sehr gutes Verhältnis zueinander, doch es war eine klassische Mutter-Tochter-Beziehung mit Ups und Downs. Meine Schwester hingegen schien wie ihre beste Freundin zu sein, während ich die kleine blieb, die von nichts eine Ahnung hatte. Als Teenager habe ich mich manchmal ausgeschlossen gefühlt. Heute weiß ich das alles natürlich besser.

Früher habe ich mich eher zurückgezogen, mich abgekapselt und den Dingen ihren natürlichen Lauf gelassen. Ich war keine Lady Bird, die schrie, weinte und kämpfte. Ich war ruhig. Ich sah mich als die Vorzeigetochter schlechthin. Ich hatte nur Einser in der Schule, war immer beschäftigt, half im Haushalt und passte hin und wieder auch meinen kleinen Bruder auf. Im Nachhinein betrachtet, ist mir bewusst, dass meine Mutter sich vielleicht eine Tochter gewünscht hätte, die weinte, schrie und Aufstände machte, die nachts abhaute, um in einem Feld mit den Freunden zu feiern, die spät nach Hause kam, die sich in Jungs verliebte,  als eine, die ihren Kummer in sich hineinfrass und dann schon so satt davon war, dass sie keinen echten Bissen mehr zu sich nehmen wollte.

Die Zeit während meiner Essstörung muss für meine ganze Familie so traumarisierend gewesen sein. Was macht man mit einem kranken Kind, das sich weigert zu essen? Sperrt man es ein? Gibt man es weg? Ich kann mir nicht vorstellen, wie sehr meine Mutter darunter gelitten haben muss. Eine vage Vorstellung habe ich allerdings schon, denn wenn ich heute mal erwähne, dass ich Hunger habe, leuchten ihre Augen.

Meine Mama ist heute meine ganze Welt. Das war nicht immer so. Früher hat sie sich diese Welt mit meinem Papa geteilt und ich glaube auch für sie war es nicht immer einfach zu sehen, dass ich mehr ein Papa- als Mamakind bin. Ich kann meinen Eltern nicht genug danken, dass sie für mich da waren und mich immer in allem unterstützt haben. Dass sie stets ein offenes Ohr hatten, dass sie stets versucht haben mich aus meinem selbsterbauten Schneckenhaus zu locken. Heute sage ich DANKE Mama und DANKE Papa, dass ihr die besten Eltern seid und wart, die man sich nur wünschen konnte!

*In freundlicher Zusammenarbeit mit Universal Pictures