Immer öfter passiert es, dass ich durch die Straßen laufe, vollkommen gestresst, die Augäpfel gen Handybildschirm gepresst und ehe ich mich versehe, bin ich zwei Stationen zu früh ausgestiegen, bin rechts statt wie geplant links abgebogen oder habe mal wieder meiner besten Freundin nicht zugehört. Digital Detox muss her!

„Hast du überhaupt gehört was ich gesagt habe?“

„Hmm?“

„Du hörst mir nie zu! Immer bist du am Handy!“

Ein Satz, der in letzter Zeit immer wieder über meine Lippen gerollt ist: „Ich hasse es ,ständig an meinem Handy zu sein!“ Es ist fast schon wie ein zusätzliches Glied an meiner rechten Hand, man sieht mich kaum noch ohne das Ding. Und doch tue ich überhaupt nichts dagegen,, und verwandele mich in diese grantigen Wiener, die sich immer über Dinge aufregen, aber nichts dagegen tun.

Hallo, ich bin Márcia und ich bin handysüchtig!

Ein Handy ist in unserer Zeit fast schon wie eine freiwillig auferlegte Gefängnisstrafe. Es ist Segen und Fluch zugleich. Man kann jeden Sche*ß machen: Rechnungen bezahlen, internationale Überweisungen tätigen (versucht meiner Mutter das mal zu erklären, die noch immer zur Bank rennt, wenn sie Geld ins Ausland verschickt), einen Roman schreiben, mit Verwandten und Freunden in der Antarktis reden, ein Krokodil kaufen, die wahre Liebe finden, Musik hören, eine Serie schauen, Emails beantworten und ja, sogar telefonieren! Es gibt so viele Möglichkeiten sich mit seinem Handy zu beschäftigen, und manchmal, wenn das alles zu überwältigend wird, dann sollte die natürliche Reaktion, die sein, alles auszuschalten und sich in der echten Welt ohne elektronisches Anhängsel zurecht zu finden. Aber was mache ich stattdessen? Schließe alle Apps und schaue mir gefühlt fünf Stunden Instagram Stories von anderen Menschen an.

Durchschnittlich verbringt man täglich knapp fünf Stunden am Handy. Bei mir sind es definitiv neun, wenn nicht mehr. Die Schuld daran gebe ich natürlich meinem Job. Als Redakteurin und Bloggerin muss man ständig abrufbar sein, immer auf dem neusten Stand, immer allezeit bereit.

Ich hasse das, weil es mir das Gefühl gibt, nicht in der echten Welt, sondern in einer schöneren, glamouröseren Version meines eigenen Lebens zu sein, was in mir Unzufriedenheit gegenüber meinem wahren Leben hervorruft. Wisst ihr was ich meine?

The „Busy“ Trap

Und wenn mich dann jemand fragt, wie es mir so geht, dann antworte ich immer „soooo beschäftigt, so gestresst“, gefolgt von einem langen, theatralischen Seufzer. Und damit bin ich definitiv nicht alleine. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Essay „The Busy Trap“ von Tim Kreider, den er für die New York Times in 2012 geschrieben hat. Im Artikel geht es darum, dass sich unsere Generation zu viel aufhalst, um sich wichtiger in der Gesellschaft zu fühlen. „“They’re addicted to busyness and dread what they might have to face in its absence.”

Was ich in der Abwesenheit von Beschäftigsein finden könnte, wollte ich mit meinem Ausflug nach Bozen ins Waldhotel Tann**** herausfinden.

Digital Detox at its best

Den Mädels hatte ich vorab schon gesagt, sie sollten sich nicht bei mir melden, ich würde gerne eine Auszeit nehmen. Ich wusste, dass ich dort einige Artikel machen müsste, weil es sich vorher nicht ausgegangen ist, aber schreiben hat auf mich bekanntlich eine entspannende Wirkung. Nur dieses ganze Internet-Drumherum – Benachrichtigungen und E-Mails, die beantwortet gehören – stresst mich. Daher wurde auch das alles für die Zeit abgestellt.

Die Reise dorthin verlief sehr ruhig. Von Bozen nahmen wir die Seilbahn bis nach Oberbozen und von dort die Schmalspurbahn bis nach Klobenstein. Da erwartete uns bereits ein Shuttle, der uns bis zum Hotel bringen würde. Knapp 1500 Meter über dem Meeresspiegel und mitten in den Bergen. So muss sich Heidi bei ihrem Großvater gefühlt haben, dachte ich bei der Ankunft.

Kaum angekommen habe ich sofort realisiert, selbst wenn ich mir vorher kein Digital Detox auferlegt hätte, müsste ich es jetzt gezwungenermaßen einlegen. Im Hotel und in der Umgebung gab es nur schlechten Empfang. In den Speiseräumen und Cafébereich gar keinen. Dort war auch ein Schild angebracht, dass dies aus Absicht ist, da die Gäste während der Mahlzeiten nicht von ihren elektronischen Geräten abgelenkt werden sollten. Hat für mich super gepasst so!

Die drei Tage im Hotel waren Erholung pur. Am ersten Tag direkt nach der Ankunft haben wir uns an den Pool gelegt, sind in die Sauna gegangen und haben gelesen und gechillt. Abends erwartete uns im Hotelrestaurant ein Vier-Gänge-Menü, das unglaublich lecker war. Ich kann es kaum in Worte fassen. Die Zutaten sind alle regional und das Hotel ist auch mit dem Slow-Food-Abzeichen gekürt. Auch das Trinkwasser stammt aus der Hauseigenen Tannquelle. Ein Wahnsinn!

Nur nicht aufhören zu Atmen

Nach einer erholsamen Nacht im federweichsten Bett, haben wir uns am ausgiebigen Frühstück bedient und noch Proviant für unsere bevorstehende Wanderung auf das Rittner Horn 2161m über dem Meeresspiegel, eingepackt. Da wir keine Profis sind und eine achtstündige Wanderung mehr Anstrengung als Erholung versprechen würde, sind wir den ersten Teil durch den Wald gegangen, haben dann die Seilbahn bis zum Panoramaweg genommen, sind den Panoramaweg entlang gewandert und dann auf das Rittner Horn hinauf. Der Weg dorthin war so anstrengend. Wenn man einen Berg hochklettert und dabei die Aussicht genießt, dann vergisst man alles um einen herum, weil erstens, erscheinen einem die eigenen Probleme lächerlich klein im Vergleich zur Natur und zweitens denkt man ständig daran die Wanderung zu überleben, sodass im Kopf ohnehin kein Platz für andere Sorgen ist.

Spa-Time

Kaum von der Wanderung zurück habe ich es mir im Spabereich des Hotels gemütlich gemacht. Erst die 60 Grad Sauna getestet, dann die 90 Grad Sauna, anschließend ein Sprung in den 28 Grad warmen Pool und danach eine 30-minütige Massage genossen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut ich geschlafen habe!!

Am letzten Tag lagen wir noch ein bisschen am Pool, haben uns bei allen lieben Mitarbeitern des Hotels für diesen wunderschönen Empfang und den noch schöneren Aufenthalt bedankt und sind dann am späten Nachmittag nach Bozen runter ins Museum für Moderne Kunst und anschließend haben wir bei Pizza und Aperol Spritz auf der Piazza Centrale den Abend ausklingen lassen!

 

Voller Energie und komplett entspannt ging es dann am Dienstag zurück in den Alltagstrott!

So ein Detox kann ich jedem nur ans Herz legen. Ein Spa Hotel ist natürlich die beste Möglichkeit, sich einer Digital Detox Kur zu unterziehen, jedoch funktioniert dies auch schon, wenn ihr einfach mal für ein paar Stunden euer Handy zu Hause lasst.

*In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Hotel Tann****
**Der Aufenthalt dort wurde mir zu Erholungs- und Recherchezwecken zur Verfügung gestellt.