I am not your billboard

I am not your billboard

Ich bin Bloggerin. Ich bin Alina. Ich bin ein Individuum und ich bin nicht einfach austauschbar.

“Du bist Bloggerin? Ich habe gehört da kann man unglaublich viel Kohle machen!” So oder so ähnlich werde ich oft auf meinen Beruf – momentan bin ich hauptberuflich Bloggerin – angesprochen. Wird das Wort ‘Blogger’ in den Mund genommen, ist es für viele ein Synonym für ‘Geldesel’. Ob bei unwissenden Nachbarn oder Bekannten, der O-Ton ist meistens gleich. Aber auch bei Unternehmen habe ich oft das Gefühl, nicht als Person, als Individuum mit eigenen Meinungen, Sorgen, Problemen, Ideen oder Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, sondern als Bloggerin Nr. 14, die leicht durch Bloggerin Nr. 15 austauschbar ist.

Kreativität? Unerwünscht. 

Eigene Meinung? Nicht gebraucht? 

Konstruktive, kritische Anmerkungen? – Bloggerin Nr. 15, du bist dran!

Mehr Einsatz bitte!

Ich spiele schon seit einiger Zeit mit meinen Gedanken rund um Werbung auf Blogs und meistens kugelten sie unstrukturiert durch meine Schädeldecke, wie bunte Kugeln im Bällchenpool. Advertisements hier, Instagram-Skandal da, Kennzeichnungs-Aufruhr – das alles beschäftigt uns mehr, als so mancher denken mag! Neben Bloggerin bin ich nämlich auch Leserin und die Rollen verschwimmen hierbei zusehends. Und als diese bin ich ebenso genervt, wenn ich zum tausendsten Mal an einem Tag die gleiche Werbung, nur mit einem anderen schönen Gesicht sehe. Doch als Bloggerin kenne ich den Ablauf und die oft detaillierten Briefings, die einem die kreative Luft zum atmen nehmen, die Deadlines, die näher rücken wie die Haifischflosse im Horrorfilm und die Unwissenheit um die Platzierungen bei all den anderen Mädels, die genau die gleichen Dinge zu hören bekommen haben.

Auch immer mit dabei: das Wissen um die eigene Ersetzbarkeit – denn wie in ‘Der Teufel trägt Prada’ gibt es hunderte Mädchen die für das töten würden, was du tun darfst.

Authentizi – Was?

Während all diesem Mail-, Deadline und Termin-Chaos geht das Essenzielle verloren: Authentizität ist das Zauberwort. Was zu dir passt, passt vielleicht nicht zu mir – und umgekehrt. Doch was zu mir passt, passt vielleicht auch nicht zu mir. Verwirrt? Lasst es mich erklären:

Kein Mensch ist zu 100% authentisch. Punkt.

Ich bin zu 90% ungeschminkt, aber ich liebe Make-Up und mache Werbung für Beauty Produkte.

Ich benutze (fast) nur pflanzliche Pflegeprodukte für meine Haut. Aber verwende ‘normale’ Schminke.

Ich ernähre mich vegetarisch/vegan, aber besitze Lederschuhe und -accessoires.

Ich habe dem Spontan-Kauf und dem Shopping abgeschworen, aber kaufe meine Socken trotzdem noch bei H&M.

Seht ihr, was ich meine? Die Linie zwischen authentisch und unauthentisch verschwimmt leicht, denn niemand ist ganz schwarz oder weiß. Man muss vor allem eins sein: ehrlich zu sich selbst. Das Bauchgefühl sagt einem schon, welche Kampagnen gut zu dir passen und welche vielleicht eher zu Bloggerin 15. Der Druck der Geldtasche ist natürlich ein weiteres Problem, doch auch eines, das ich ein wenig anders lösen möchte ….

Vorhang auf: eine neue welt

Der Ball liegt jetzt bei den BloggerInnen, diesen Spieß umzudrehen – für mehr Ehrlichkeit, Leichtigkeit und für unsere LeserInnen, die sich satt sehen an den immer gleichen Kampagnen. In den letzten Monaten habe ich mir Gedanken gemacht und mir selbst kleine Gedankenspiele aufgegeben, die ich nun umsetze. Gedankenspiele, die meine Realität jetzt schon beeinflussen, denn wenn man sich nicht mehr als eine unter vielen fühlt, sondern wie ein echter kreativer, wertvoller Schreiberling, weiß man seine eigene Arbeit gleich viel mehr zu schätzen und das spürt man in jedem Wort, jedem Bild und in jedem Absatz – auch als LeserIn.

Liebe BloggerInnen – traut euch was!

Traut euch, Marken, die ihr gut findet nach Kooperationen zu fragen. Traut euch nachzufragen, wie viele BloggerInnen noch an einer Kampagne beteiligt sind. Traut euch, eure Meinung zu sagen, wenn euch etwas nicht gefällt. Nehmt euer eigenes Schicksal in die Hand und macht mehr Dinge, die euch Spaß machen und die ihr einfach verkörpert. So wird aus Bloggerin Nr. 14 endlich wieder Alina, die macht, was sie liebt, die sich stolz Bloggerin nennen kann, die von ihrem Hobby – momentan 😛 – leben kann, auch wenn sie wahrscheinlich nie Millionärin wird.

Ich bin Alina und ich bin keine Plakatwand.

Fotos by Niklas Stadler | www.niklasstadler.at

 

 

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16 Comments

  • Angelika Johnston
    10 Monaten ago

    <3 <3 Vielleicht schreibst du doch mal ein Buch…….

    • Alina
      10 Monaten ago

      Wer weiß 😛

  • 10 Monaten ago

    Liebe Alina,

    wunderschöner Beitrag und sowieso finde ich euren Blog toll. Storytelling das ist es worauf es ankommt – nicht Plakatwand sein.
    Danke euch <3

    Alles Liebe
    Julia

    • Alina
      10 Monaten ago

      DANKE dir Julia! <3 Unser Anspruch an uns selbst ist sehr hoch, wir sind auch sehr kritisch mit uns und dabei gibt mir das Feedback von dir wieder Kraft/Hoffnung dass mein Gebrabbel doch so ankommt, wie ich es mir ausgedacht habe. Einfach schön ist das, danke dir!

      xxx

  • 10 Monaten ago

    Ach Alina, danke für diesen Beitrag. Mir gefällt es auch nicht, in welche Richtung die Bloggerwelt momentan geht. Früher war alles noch etwas realer, aber ich muss sagen, wir sind selbst schuld dran. Und nur WIR könne etwas daran ändern. Am besten gemeinsam :-).

    LG
    Tina

    PS: Die Bilder sind der Wahnsinn. Liebe deinen Look. Wie du lachst. Das Licht. TOP!

    • Alina
      10 Monaten ago

      Liebe Tina,

      ja genau! Man muss sich einfach trauen, etwas zu Wagen, dann kann man auch was verändern! 🙂

      xxx

  • 10 Monaten ago

    Was für ein wundervoller Beitrag…
    Ich sehe das ganz genauso wie du. Es ist so wichtig auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören, und sich nicht alles andrehen zu lassen. Jeder Blogger steht für sich selbst und die Blogs, die ich wirklich liebe sind für mich absolut nicht austauschbar gegen Blogger Nr.15 😀 Ich hoffe die PR-firmen dieser Welt verstehen das bald mal.
    Liebste Grüße
    Luise

    • Alina
      10 Monaten ago

      Liebe Luise,

      der Bauch hat einfach immer recht! Genau, vor allem weil wir alle unterschiedlich sind, finde ich immer gleiche Kampagnen so jammerschade.

      Danke für deine liebes Kommentar <3

      xxx

  • 10 Monaten ago

    Sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich sehe das auch so.
    Als Leserin finde ich es total nervig, wenn sehr viele Bloggerinnen in der selben Weise für die selbe Marke Werbung machen. Ich verstehe manchmal nicht, warum den Kunden nicht kommuniziert wird, dass diese Gleichzeitigkeit eher negativ ankommt, als positive Gedanken und Meinungen gegenüber einer Marke produziert bei den LeserInnen.
    Aber wie du sagst, dann gibt es halt Bloggerin Nr. 15 .. 😉

    Alles Liebe,
    Olivia

    • Alina
      10 Monaten ago

      Das Problem ist oft, dass viele Ideen vorgegeben sind und einem kein großer kreativer Freiraum bleibt – und man auch erst im Nachhinein sieht, wer die Kooperation auch macht. Ich finde es auch schade, denn die Blogger-Community ist eine kreative, schlagfertige und gebildete Gang, die gemeinsam so viele, tolle Dinge auf die Beine stellen kann 🙂

  • 10 Monaten ago

    BÄM !
    Da haut sie wieder einen Beitrag hinaus.
    Liebe Alina, hut ab für diese Worte.
    Ich finde es klasse, deine Entwicklung zu verfolgen.
    Weiter so 🙂

    Liebste Grüße,
    Vivi
    Vanillaholica.com

    • Alina
      10 Monaten ago

      Danke dir für das nette Lob <3

      Ich finds auch irgendwie aufregend so etwas anzusprechen! Fast so als wäre es verboten hihi – ich werde aber auf jeden Fall weiter so machen, die vielen netten Worte von dir / euch bestärken mich darin, den Weg zu gehen!

      xxx

  • 10 Monaten ago

    Ein super schöner Post. Mit ging es teilweise schon oft so dass ich mich richtig auf Kampagnen gefreut habe & dann enttäuscht war weil am selben Tag noch 30 andere fast das identische gepostet haben. Mittlerweile kläre ich eigentlich immer ab wieviele Blogger in welcher Zeitspanne auch posten & wenn ich es als zu viel empfinde lehne ich ab (schaffe ich zumindest meistens – aber es ist schonmal ein Anfang). Außerdem finde ich es wichtig sich in nichts reinquatschen zu lassen – für mich ist zB ein persönliches NoGo wenn ich mich zu freizügig zeigen müsste & wenn die Firma da druck macht wäre ich immer raus … xxx

  • 10 Monaten ago

    Hi Alina,

    das ist großartig geschrieben, danke! Ich finde gerade bei Bloggern spielt die Individualität eine wichtige Rolle, da gibt’s kein “one fits all”, da geht’s um die Persönlichkeit. Wer weiß wienlange diejenigen, die sich als “Plakatwand” verkaufen, das noch tun…

    Liebe Grüße, Sylvia

  • Wunderschön geschrieben! Vielen Dank Alina, ich lese euren Blog wirklich gerne! ich finde es wirklich schön, solche Texte zu lesen, wenn Bloggen oft nur noch mit Werbung verbunden wird und an der Stelle eines eigenen Textes ein Loblied auf irgendein anderes Produkt ist. Vor allem, weil das Ganze ja nur Wert für den Leser hat, wenn er eine ehrliche Meinung und Beurteilung für das, was beworben wird bekommt 🙂 Liebe Grüße, Katharina

    • Alina
      5 Monaten ago

      Liebe Katharina,

      ja leider ist der Ruf des Geldes häufig verlockend. Natürlich ist Werbung für uns wichtig und auch angebracht, dass ich für meine Leistung entsprechend entlohnt werde, doch man muss einfach wissen, was zu einem passt und was man verkörpern möchte. Die Frage nach ‘Wann ist es zu viel?’ ist natürlich dann auch so eine Geschichte – man lernt das glaub ich ganz gut vom Bauchgefühl her einzuschätzen 🙂

      Danke für dein liebes Feedback! <3

      LG
      Alina